Epson Moverio hilft Menschen mit Sehstörung, die Welt neu zu erleben

Eine auf der Epson Moverio Brille beruhende neuartige Lösung ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigung des Sehvermögens, sich zu orientieren.

Kann Technologie Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen zu mehr Sehkraft verhelfen? Diese Frage stellte sich Dr. Stephen Hicks, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Oxford University in Neurowissenschaften und Mitbegründer des Start-up-Unternehmens OxSight. Er verwendete die Moverio-Multimedia-Brille von Epson und ihre Augmented Reality-Funktionen als Grundlage für ein Konzept namens SmartSpecs, welches darauf abzielt, das Leben Tausender Menschen zu verbessern, die unter einem beeinträchtigten Sehvermögens leiden.

SmartSpecs lässt Blinde nicht wieder sehen, sondern die verbleibende Sehkraft zu verbessern. Hierzu dienen Tiefenkameras, die Objekte vor dem Träger aufnehmen und in 3D wiedergeben. In der Anzeige der Moverio-Brille leuchten dann bestimmte Regionen auf, um diese Objekte zu kennzeichnen.

Auf diese Weise erkennt der Moverio-Träger beispielsweise Hindernisse und kann ihnen so aus dem Weg gehen. Menschen mit einer Sehbehinderung gehen mit dieser Hilfe zum Beispiel spazieren und weichen dabei Objekten wie Straßenlaternen, Bordsteinen und anderen Personen aus. Zu Hause hilft ihnen die Brille, sich zwischen den Möbeln zu bewegen. Die Herausforderung der Lösung lag darin, die Multimedia-Brille so leicht und komfortabel wie möglich zu machen.

Die Moverio – praktisch und kompakt

Die Moverio ist nicht nur kleiner, sondern auch praktischer als ein VR-Headset und damit im sozialen Umfeld eher akzeptiert. Sie verfügt ebenfalls über eine helle HD-Anzeige und ist einfach zu steuern. Dies ermöglichte es Dr. Hicks und seinem Team, verschiedene Betriebsmodi zu erstellen. Jeder Modus hat dabei seinen eigenen Einsatzbereich: So ermöglicht der Modus "Nachtsicht" es dem Träger zum Beispiel, in schwach beleuchteten Räumen wie Restaurants oder Lokalen Dinge wahrzunehmen. Der Modus "Farbsicht" ermöglicht es Benutzern, sich Filme anzuschauen.

Vor dem Einsatz der von Dr. Hicks, wurden Anzeige und Kamera des Prototypen auf Skibrillen montiert und an einen Laptop angeschlossen, was natürlich alles andere als ideal war. Die Moverio hingegen ist mobil und ihre Gläser sind transparent, was einen Augenkontakt mit anderen Personen ermöglicht. Bei der Entwicklung von SmartSpecs war dies für Dr. Hicks ein besonders interessanter Aspekt. „Ich wollte nicht, dass die Menschen etwas tragen, was ihnen die Augen Verdeckt, da dies in unserer Gesellschaft mit einem Stigma belegt ist“, erklärt Dr. Hicks. „Für einen engen sozialen Kontakt sehen wir anderen immer in die Augen.“ Das Sichtfeld der transparenten Moverio beträgt etwa 22 Grad, was einem Fernsehbildschirm aus zwei Metern Entfernung entspricht.

 
Die Moverio – flexibel und anpassbar

Die Moverio-Multimedia-Brille hat sich außerdem als sehr flexibel und anpassungsfähig erwiesen. Zu den Modifikationen von Dr. Hicks gehören zusätzliche Kameras sowie Korrekturgläser, die sich bei Bedarf hinzufügen lassen. Außerdem wurde das von der Moverio verwendete Betriebssystem Android angepasst. Für einen ununterbrochenen Betrieb, den SmartSpecs-Nutzer benötigen, wurde in das Gerät ein zusätzlicher Akku eingebaut.

Emotionale Verbindungen mit der Moverio

Die Forschungen von Dr. Hicks wurden seit 2014 von der Google Global Impact Challenge, dem Royal National Institute of Blind People (RNIB) und von einem privaten Investor finanziert. Der SmartSpecs-Prototyp mit einer Epson Moverio BT-200 wurde umfangreichen Feldtests mit rund 300 sehbehinderten Menschen unterzogen, die jeweils mehrere Wochen mit dem neuartigen Produkt verbrachten. „Eine Benutzerin erkannte zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt das Gesicht und die Frisur ihres Freundes, ein anderer Benutzer 'sah' das Gesicht seiner Tochter, und eine Testerin, die ihr Leben lang gerne im Garten gearbeitet hatte, erzählte, dass sie mithilfe des Farbmodus zum ersten Mal seit Langem Blumen und Unkraut in ihrem Garten sehen konnte“, so Dr. Hicks. „Ein weiterer Benutzer hat die Moverio dazu verwendet, seine Hühner zu zählen.“

Die umfangreichen Tests der modifizierten Moverio-Multimedia-Brille machten deutlich, dass Augmented Reality es ermöglicht, emotionale Verbindungen herzustellen und somit das Leben der Menschen zu ändern. Der nächste Schritt für das Starup-Unternehmen OxSight, dessen Mitbegründer Dr. Hicks ist, besteht in der Produktion eines Endprodukts, das dann auf der neueren Moverio BT-300 beruht. Um den bestehenden hohen Bedarf zu decken, muss dies so schnell wie möglich geschehen.

Die Moverio ermöglicht erweiterte Augmented Reality

„Blindheit kann Menschen in jedem Alter treffen, von fünf bis fünfundneunzig Jahren“, sagt Dr. Hicks. „Dieses Produkt wird weltweit erhebliche Auswirkungen auf eine große Anzahl blinder Menschen haben: Es wird ihre Lebensqualität verbessern und ihre Unabhängigkeit vergrößern.“ Für Menschen mit Sehbehinderung werden von der Moverio aufgrund der Möglichkeiten von Augmented Reality noch bessere Ergebnisse erwartet. Dr. Hicks arbeitet bereits daran, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen in die ersten Produkte zu integrieren, die auf der kleineren, neueren und kostengünstigeren Moverio BT-300 beruhen. Eine neue „Computersicht“ wird es der Software ermöglichen zu lernen, welche Objekte für den Träger von Bedeutung sind und sie wird wichtige Personen erkennen sowie häufig gegangene Wege erkennen.

Es ist sogar möglich, Informationen zwischen verschiedenen Benutzern auszutauschen. Wenn sich Menschen im gleichen Stadtteil bewegen und dabei Fußwege, geparkte Autos und Baustellen erkennen, so ließen sich diese Informationen von den Moverios gemeinsam nutzen. Eine solche Art autonomer, erweiterter und individuell anpassbarer Augmented Reality wird durch die Epson Moverio Brille ermöglicht. „Zunächst ging es uns nur darum, eine grundlegende Unabhängigkeit zu schaffen. Menschen sollten die Fähigkeit erhalten, auch bei schlechter Beleuchtung Hindernissen aus dem Weg zu gehen“, erklärt Dr. Hicks. „Wir wollten ihnen nur helfen, sich zu bewegen. Aber mittlerweile geht es um viel mehr – es geht darum Gesichter zu erkennen, Blumen und um die Möglichkeit, die Welt ganz anders zu erleben.“