E-Guide zur Wirkung von Farben

Farbpsychologin Angela Wright beschreibt, welchen Einfluss Farben im Einzelhandel und im Gastgewerbe haben.

E-Guide zur Wirkung von Farben

E-Guide zur Wirkung von Farben

Farbpsychologin Angela Wright beschreibt, welchen Einfluss Farben im Einzelhandel und im Gastgewerbe haben

Was bewirken Farben?

Farben spielen im Einzelhandel und im Gastgewerbe eine wichtige Rolle. Ihre Hauptaufgabe ist es, eine helle und angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich Menschen wohlfühlen.

Farben sind in fast jedem Bereich eines der wichtigsten Designelemente. Sie beeinflussen die Produkt- und Markenwahrnehmung und haben große Auswirkungen auf die Kundenbindung. Diese Faktoren werden durch eine Vielzahl von Untersuchungen belegt und sind allgemein anerkannt. Trotzdem fehlt häufig konkretes Wissen darüber.

Daher möchte ich Ihnen einige der wissenschaftlichen Prinzipien näherbringen.

  1. Physikalisch entsprechen Farben elektromagnetischen Wellen einer bestimmten Wellenlänge. Zu diesen Wellen gehören neben Licht auch Mikrowellen, Funkwellen, Infrarot, Röntgenstrahlen und andere. Unter Licht versteht man ausschließlich den sichtbaren Bereich. Alle diese Wellen sind immer vorhanden und wirken daher auch fortwährend auf uns ein – und zwar sowohl physisch als auch emotional.
  2. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Farben unsere Urteile beeinflussen.
  3. Im Laufe der Evolution haben die Menschen sich immer an Farben orientiert. Unsere Entwicklung war stark von Farben abhängig, daher fühlen wir uns bei manchen ungünstigen Farbgestaltungen unwohl.
  4. Farben sind eine universelle, nonverbale Sprache. Jeder nutzt sie, und jeder versteht sie.
  5. Farben beeinflussen direkt unsere Wahrnehmung und können Vertrauen schaffen. Dies gilt jedoch nur dann, wenn sie passend gewählt sind.
  6. Farben haben auch in der modernen Welt einen großen Einfluss auf unser Verhalten.

Widmen wir uns den Details

Die Auswahl der Primärfarbe für ein Unternehmen (also die Farbe, die jeder Kunde als Erstes wahrnimmt) sollte gut gewählt sein. Sie sollten sicherstellen, dass Ihre Drucker in der Lage sind, diese Farbe konsistent und korrekt wiederzugeben. Haben Sie sich für eine Primärfarbe entschieden, so müssen Sie eine Palette mit sekundären Farben festlegen. Diese Farben sollten mit der Primärfarbe harmonieren. Sie sollten Ihre Botschaft im Rahmen der gesamten Unternehmenskommunikation konsistent stützen.

Sie sollten genauso viel Gewicht auf die Farbwiedergabe legen wie auf Ihre Texte und Inhalte – denn die unterschwellige Wahrnehmung der Farbe und ihre Wirkung lässt sich nicht ausschalten.

Manchmal weichen Unternehmen von ihrer Farbgebung ab. Häufig passiert dies zum Beispiel bei Zahlungsbelegen, Gutscheinen und ähnlichen Elementen. Auch bei POS-Aktionen oder Sonderangeboten sollten Sie für eine konsistente Farbgebung sorgen. Nutzen Sie Farben aus der gewählten Farbpalette Ihres Unternehmens. Führen Sie keine neuen Farben ein. Neue Farben könnten sich zwar möglicherweise positiv auf Ihre Marke auswirken, sie könnten jedoch auch eine gegenteilige Wirkung haben. Wenn Sie die Wahrnehmung steigern möchten, können Sie beispielsweise hellere Versionen der vorhandenen Farben nutzen.

Widerstehen Sie der Versuchung mit Schwarz, Weiß oder Grau zu arbeiten. Diese Farben rufen psychologisch überhaupt keine emotionale Reaktion hervor. Sie sind nur dann angebracht, wenn Sie ausschließlich Informationen kommunizieren möchten – und zwar ohne jegliche emotionale Reaktion.

Dies alles hat nicht nur Auswirkungen auf den Umgang mit Dokumenten, Gutscheinen und Zahlungsbelegen, sondern auch auf alle anderen Bereiche, die Einfluss auf Ihre Kunden haben. Um die Kunden zur Einlösung von Gutscheinen zu bewegen und die Kundentreue zu fördern, benötigen Sie eine emotionale Reaktion. Schwarz und Weiß werden zu dieser Zielsetzung nicht beitragen. Grundsätzlich kann man sagen, dass unbunte Farben in der Markengestaltung nichts zu suchen haben – und dies gilt ganz besonders für den Einzelhandel und das Gastgewerbe. Schließlich möchten Sie Ihre Kunden nicht mit einer kalten Gestaltung begrüßen, stimmt’s?

Die Farbe des Geldes

Sie möchten, dass Ihre Kunden bei Ihnen Geld ausgeben – und dies ohne schlechtes Gewissen. Dies erreichen sie unter anderem mit der Farbe Grün.

Grün ist die Farbe des Geldes. In vielen Ländern der Welt sind die Banknoten grün gehalten (zum Beispiel beim US-Dollar). Das ist kein Zufall. Grün liegt in der Mitte des Farbspektrums und ist die hellste Farbe. Wenn die Welt um uns herum grün ist, dann steht dies für die Pflanzenwelt. In so einer Umgebung wissen wir instinktiv, dass uns keine Gefahr droht. Wir fühlen uns sicher und kaufen mit einem sicheren Gefühl ein.

Die besten Farbtöne für Ihre Farbpalette

Im Einzelhandel und im Gastgewerbe haben sich warme Farben als besonders effektiv erwiesen. Ein Empfangsbereich in Gelb wirkt sehr einladend. Rot ist hingegen perfekt dazu geeignet, wichtige Mitteilungen zu betonen. (Eigenartigerweise gilt dies nicht für Gelb. Gelb kann in einem grafischen Design zu Fehlwahrnehmungen führen.) Rot ist die Alarmfarbe des Sehspektrums. Deshalb zieht sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Dies liegt unter anderem daran, dass rotes Licht auch aus großer Entfernung gut zu erkennen ist. Aus diesem Grund sind Ampeln zum Beispiel weltweit in Rot gehalten.

Stellen Sie bei Ihrer Farbgestaltung sicher, dass die primäre Farbe Ihrer Farbpalette zu Ihrer Marke passt – egal, ob es um das grafische Design oder um Werbematerialien geht.

Rot wird beispielsweise sicher wahrgenommen. Daher könnte Rot die perfekte Wahl für Werbebotschaften sein (tatsächlich ist Rot auch sehr beliebt). Trotzdem ist es immer eine gute Idee, vor der Auswahl einer Farbe die Natur Ihres Produktes zu berücksichtigen.

McDonald’s arbeitet beispielsweise sehr stark mit Rot. Das Unternehmen nutzt Rot, um Aufmerksamkeit zu generieren. Ein Motorenhersteller wäre jedoch wahrscheinlich mit Grün besser bedient. Bedenken Sie, dass Farben Ihre Kunden stark beeinflussen. Sie möchten beispielsweise sicher nicht, dass potenzielle Kunden bereits am Eingang stehen bleiben.

Übertreiben Sie es nicht

Eine der wichtigsten Regeln der Farbpsychologie besagt, dass ein Farbschema ausgewogen sein muss. McDonald’s nutzt Rot als Signalfarbe. Dieser Einsatz geschieht jedoch in der richtigen Dosierung und in einem sorgfältig ausgewogenen Verhältnis mit Gelb und den anderen Unternehmensfarben. McDonald’s ist daher ein Beispiel für einen ausgewogenen Farbeinsatz.

Wenn Sie im Gastgewerbe aktiv sind, dann sollte Ihnen klar sein, dass zu viel Gelb in Gästezimmern Ihre Gäste irritieren kann. Viel Gelb sorgt dafür, dass die Gäste schwer zufriedenzustellen sind. In dem Hotel, in dem ich aufgewachsen bin, war dies der Fall (diese damals für mich verblüffende Beobachtung hat später dazu beigetragen, dass ich mich mit der Farbpsychologie beschäftigt habe).

Heute weiß ich, dass daran nichts Verblüffendes ist. Gelb ist eine der vier psychologischen Primärfarben und steht für das Ich, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen. Zu viel Gelb, oder ein schlecht harmonisiertes Gelb, kann zu Beklemmung führen.

Einfach gesagt, schlafen die Gäste in gelben Zimmern nicht besonders gut, weil die Farbe des Zimmers Ängste fördert und für Beklemmung sorgt. Wenn Sie in einer solchen Umgebung Blau oder Lila zum Farbschema hinzufügen und das Gelb ausgleichen, kann dies wahre Wunder bewirken.

Allgemeine Regeln

Sowohl der Einzelhandel als auch das Gastgewerbe möchten Kunden zum Betreten ihrer Räumlichkeiten einladen. Sie möchten eine positive Umgebung schaffen, in der der Kunde gerne Geld ausgibt. Trotzdem gibt es einige Unterschiede.

Die Psychologie des Einzelhandels ist komplexer. Beim Einkaufen sind manchmal auch negative Gefühle im Spiel. Ein Beispiel sind Notkäufe, bei denen Sie etwas kaufen müssen, das Sie gar nicht unbedingt wollten oder sogar möchten. Ein anderes Beispiel ist das Gefühl der Geldverschwendung, das die Marketingbranche so gut wie möglich verbergen möchte.

Einkaufen kann jedoch natürlich auch eine sehr positive Erfahrung sein. Ihre Aufgabe ist es, diese Erfahrung für alle Kunden Ihres Unternehmens zu einer solchen positiven Erfahrung zu machen. Dem Gastgewerbe und anderen Freizeitbranchen treten wir als Kunden für gewöhnlich mit einer positiven Einstellung gegenüber. Per Definition sind wir in unserer Freizeit (hoffentlich) weniger gestresst. Wir haben Spaß.

Sowohl für den Einzelhandel als auch für das Gastgewerbe ist Grau die negativste Farbe. (eine Tatsache, die häufig verkannt wird). Ich weiß, allgemein wird Grau als edel und elegant betrachtet. Aus farbpsychologischer Sicht ist Grau jedoch trotzdem für den Einzelhandel, die Freizeitbranche und jede Art von Gastgewerbe eine sehr wenig geeignete Farbe. Wenn wir mit der Farbe Grau konfrontiert werden, weckt dies in uns die folgenden Instinkte:

  • Winterschlaf
  • Sammeln von Ressourcen. Es könnte ein langer Winter werden.
  • Warm anziehen
  • Schlechtes Wetter. Besser zuhause bleiben.

Reines Grau ist die einzige Farbe, der keine direkten psychologischen Eigenschaften zugeordnet werden können. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie keinen Einfluss auf unser Gefühlsleben hat. Sie drückt auf unsere Stimmung. Das Fehlen jeglicher Farbe wirkt depressiv. Wenn uns die Welt grau erscheint, dann wollen wir uns instinktiv drinnen vor dem Kamin einkuscheln und uns auf den Winter vorbereiten.

Grau dämpft außerdem den Effekt anderer Farben. Viel Grau ist normalerweise ein Zeichen dafür, dass es an Selbstvertrauen und Offenheit mangelt.

Die zweite Farbe, mit der Sie vor allem im Gastgewerbe vorsichtig umgehen sollten, ist Blau. Blau steht für klare Gedanken, Effizienz und Verantwortung. Die Farbe ist nicht gerade dazu geeignet, Ihren Gast dazu zu ermutigen, sich in Ihr Bistro oder Ihre Bar zu setzen und es sich gut gehen zu lassen. Blau ist keine gesellige Farbe.

Natürlich kommt es immer auf den Kontext an. Ein strahlend blauer Himmel in einem Urlaubskatalog sorgt sicher bei jedem Menschen für sehr positive Assoziationen. Dies gilt jedoch nicht für die Gestaltung eines Restaurants. Ich habe schon viele Restaurants besucht, deren Ausstattung primär in Blau gehalten war. Viele dieser Restaurants gibt es heute nicht mehr, und in vielen Fällen ist möglicherweise die elegante, in Blau gehaltene Ausstattung nicht ganz schuldlos. Sie hemmt die Gäste und sorgt dafür, dass diese sich überkorrekt verhalten. Das ist zwar sicher nicht negativ, aber auch nicht gerade umsatzfördernd.

Welche Farbe ist also am besten für eine Marke geeignet, die mit Gastronomie zu tun hat? Mit Orange können Sie sicher nichts falsch machen. Orange macht hungrig. Die Farbe spricht unterschwellige Überlebensinstinkte an: Essen, Wärme, Schutz, Sinnlichkeit und Spaß. Orange ist die Farbe der Freude und außerdem sehr konträr zu Blau (sie ist also psychologisch gesehen das Gegenteil zu Blau). Als Mischung aus Rot und Gelb stimuliert uns Orange physisch und emotional. Sie ist daher perfekt für die Sport- und Freizeitbranche und das Gastgewerbe, vor allem, wenn es um Gastronomie geht, geeignet.

Die Erkenntnisse

Denken Sie daran, dass warme Farben immer gut funktionieren. Nutzen Sie Grün um Kunden in Kaufstimmung zu versetzen. Verwenden Sie Orange, um den Appetit anzuregen. Vermeiden Sie gelbe Gästezimmer, oder gleichen Sie mit Blau oder Lila aus. In Empfangsbereichen kann Gelb jedoch positiv wirken. Nutzen Sie Rot als Signalfarbe. Beschränken Sie den Einsatz von Rot jedoch auf ein vernünftiges Maß. Und am allerwichtigsten: Nutzen Sie so wenig Grau wie möglich.

Vertrauen Sie Ihren Instinkten. Nutzen Sie Farben aus einer ausgewogenen und harmonischen Palette, und der Erfolg ist Ihnen gewiss.