Digigraphie-Interviewreihe: Claudio Verbano – Gewinner des Epson Digigraphie-Fotowettbewerbs, Kategorie „Architektur und Natur“

Digigraphie-Interviewreihe: Claudio Verbano – Gewinner des Epson Digigraphie-Fotowettbewerbs, Kategorie „Architektur und Natur“

Copyright: Lars Heidemann

Hallo Claudio, wir freuen uns, dass Sie heute Zeit für uns gefunden haben. Wie haben Sie vom Epson Digigraphie Fotowettbewerb erfahren?

Im Rahmen des Umweltfotofestivals Horizonte Zingst bin ich erstmals auf die Epson Fotowettbewerbe aufmerksam geworden. Dann hatte mir der Hamburger Fotograf Frank Stöckl im Rahmen des Förderpreises des Berufsverbandes Freier Fotografen (BFF), bei dem ich zu den Finalisten gehörte, den Wettbewerb erneut in Erinnerung gerufen. Da mein Projekt sich mit dem Kontrast zwischen Architektur und Natur befasst, dachte ich mir, dass meine Bilder sehr gut zur ausgeschriebenen Kategorie „Architektur und Natur“ passen könnten und sie entsprechend zusammengestellt. Zum Glück haben sie die Jury auch überzeugt. Das freut mich natürlich. 

Was thematisieren Ihre Bilder?

Ich habe Gebäude fotografiert, die absichtlich nicht fertig gebaut wurden, um möglichst viel Profit damit zu machen. Es handelt sich also nicht um verlassene Häuser, die irgendwann mal benutzt wurden. Sie wurden vielmehr dafür konzipiert, als Rohbau stehen zu bleiben. Die Firmen verdienen über die Finanzierung des Bauvorhabens und investieren das Geld im Laufe der Zeit in andere Projekte. Dabei existieren die Unternehmen nur für eine kurze Zeit. Es sind im Prinzip Strohfirmen, die nur den Zweck haben, das Geld zu kassieren und dann für illegale Zwecke zu verwenden. Sie bereichern sich an Steuergeldern. In Sizilien ist die Konzentration dieser Gebäude besonders hoch. Die Kommunen haben meistens kein Geld mehr, um sie abzureißen. Daher lassen sie sie einfach stehen. Ich war für das Projekt eine Woche unterwegs und hatte etwa 800 Bauten auf meiner Liste; circa 100 habe ich davon fotografiert. 

Wie sind Sie auf die Idee zum Projekt gekommen?

Ich war bereits für andere Vorhaben mehrfach in Sizilien und es ist unmöglich, die Geisterbauten zu übersehen. Ganz offensichtlich hat die moderne Mafia nichts mit der in Film und Fernsehen Dargestellten zu tun. Sie geht heutzutage viel raffinierter vor und nutzt andere Mittel und Wege, um elegant an Geld zu kommen. Die Bauindustrie ist dafür sehr gut geeignet, da es hier wenig Kontrollen der EU und der italienischen Regierung gibt. An einem Projekt sind teilweise hunderte oder tausende Strohfirmen beteiligt. Die Bevölkerung sieht weg, da niemand direkt Schaden nimmt.

Können Sie uns etwas über vorangegangene Arbeiten erzählen?

Ein Langzeitprojekt, das jetzt gerade sehr bekannt geworden ist, thematisiert die letzten Fischer vom Lago Maggiore. Dabei begleitete ich die letzten 14 von früher einmal 1.000 Fischer am See und schrieb ihre persönlichen Geschichten auf, um die Erinnerung an ihr Handwerk und Leben wachzuhalten. Im Juli habe ich dazu rund um den See eine Ausstellung gemacht und ein Buch veröffentlicht.

Für ein weiteres aktuelles Projekt war ich vor kurzem in Ruanda, Burundi und Tansania und habe einheimische Ärzte und Krankenschwestern begleitet. Sie fahren in die Dörfer der Stämme Massai, Pare sowie Chagga und machen dort eigentlich alles, was möglich ist – von der psychologischen Betreuung bis zur Notoperation. Alle Teammitglieder sind Einheimische und kennen die lokalen Kulturen. Durch die dortige Armut hat ein Großteil der Menschen nur begrenzten oder gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Hier wähle ich gerade Fotos aus, mit denen wir Aufmerksamkeit für diesen Einsatz generieren wollen. Mit einer Spendenaktion soll ein neuer Transporter finanziert werden, der in eine mobile Klinik umgebaut werden soll und so den Ansprüchen besser genügt. Dies wollen wir über eine Crowdfunding-Aktion erreichen. Zusätzlich erstellen wir ein Video und ich bin bereits in Kontakt mit Zeitungen.

Kommen wir noch einmal auf die Fotografie zu sprechen, Claudio. Welchen Wert hat das gedruckte Bild für Sie?

Für ein gedrucktes Bild kann sich der Betrachter viel mehr Zeit nehmen als für ein digitales. So entdeckt er mehr Details – nicht nur auf dem Bild, sondern zum Beispiel auch bei den Materialien. Der Gesamteindruck entsteht nicht allein durch die Bildauswahl. Er wird auch durch die Wahl des Papiers, der Rahmen und auch durch die Komposition der Bilder beeinflusst. Die Zusammenstellung in einer Ausstellung ist etwas ganz anderes, als wenn am Bildschirm ein Bild nach dem anderen geöffnet wird. In einer Ausstellung wird eine Geschichte erzählt, die man sich in Ruhe anschauen und in der Gesamtheit auf sich wirken lassen kann. Heutzutage ist alles immer verfügbar, daher ist das Thema „Zeit“ sehr beliebig geworden. Das einzelne Bild verliert ein bisschen an Wert und geht in der Menge oft fast verloren. Steht man aber in einer Ausstellung, lässt man alles auf sich wirken und nimmt sich die Zeit. Das ist ein sehr großer Gewinn in unserer schnelllebigen Gesellschaft. Der Betrachter geht aus einer Ausstellung ganz anders heraus, als wenn er sich die Bilder nur am Computer angeschaut hat. Denn er erfährt so nicht nur die Bilder, sondern ein Gesamtkonzept.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits vor dem Wettbewerb mit dem Digigraphie-Verfahren von Epson gemacht?

Durch meine Zusammenarbeit mit mehreren Galerien kannte ich das Verfahren von Epson bereits. Auch für die Ausstellung in Zingst im Rahmen des BFF Förderpreises haben wir Epson Drucker verwendet. Da habe ich bereits einige Einblicke bekommen.

Auch Ihre Werke in Zingst wurden mit dem Digigraphie-Verfahren produziert, wie ist Ihr Eindruck?

Die Präsentation der Bilder war ein gemeinsamer Prozess. Dieser begann schon bei der Auswahl der Papierart, setzte sich bei der Entscheidung der Bildformate fort und reichte bis hin zur Platzierung der Werke in der Galerie. Zum Epson Digigraphie-Verfahren kann ich sagen, dass es einen hervorragenden Eindruck macht. Die Drucke haben eine tolle räumliche Wirkung und zeigen viele Details. Vor allem bei den feinen Grauabstufungen beim Wolkenhimmel meiner Motive war deutlich die gute Qualität und genaue Arbeitsweise der Drucker zu erkennen. Das Verfahren trägt auf jeden Fall zur Wertigkeit der Arbeit bei.

Können Sie uns noch etwas über Ihr nächstes Projekt berichten?

Ja, das ist das Afrika Projekt über die Travelling Doctors in Tansania, von dem ich bereits berichtete. Es ist mein inniger Wunsch, dieses so schnell wie möglich abzuschließen und zu veröffentlichen, um das engagierte Team so gut wie möglich bei der Anschaffung einer mobilen Klinik zu unterstützen. Durch die geplante Spendenaktion hoffen wir, die Situation der Menschen vor Ort verbessern zu können. Diese Entwicklung möchte ich sehr gerne fotografisch begleiten, da mir die Menschen und das Team persönlich sehr am Herzen liegen.

Weiterführende Informationen zu Claudio Verbano und seinen Projekten:

Claudio Verbano
Die letzten Fischer des Lago Maggiore
Das Gewinnerprojekt "Incompiuto"