Besseres Lernen durch neue Technologien?

Hans Dummer fragt sich, warum rund 30 Prozent der Schüler glauben, beim Lernen nicht von neuen Technologien zu profitieren.

Besseres Lernen durch neue Technologien?

Warum sehen viele der heutigen Schüler den Einsatz neuer Technologien beim Lernen als nicht so wichtig für ihre Zukunft an?

Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich mit 100 europäischen Schülern.

Sie stellen ihnen die folgende Frage: „Wer von Euch ist der Meinung, dass das Lernen mit dem Computer keinen großen Nutzen für seine Zukunft hat?”

Gehen wir davon aus, dass die Schüler zwischen 16 und 17 Jahre alt sind. Es handelt sich also um eine Generation, die mit Computern, sozialen Medien und zahlreichen mobilen Technologien aufgewachsen ist. Was denken Sie? Wie viele Schüler würden die Hand heben? Vielleicht ein Dutzend? Oder gar noch weniger? Möglicherweise nur fünf oder sechs? Sie glauben, es sind noch weniger erhobene Hände zu sehen? Dann wären Sie vermutlich überrascht.

Eine Umfrage zur IKT (Informations- und Kommunikationstechnik) in europäischen Schulen zeigt, dass bis zu 30 der 100 Schüler die Hand heben würden. Sie sind (teilweise sehr entschieden) der Meinung, dass das Lernen mit dem Computer keinen großen Nutzen für ihre Zukunft bietet. Die Frage nach den Vorteilen des Lernens am Computer für die künftigen Chancen am Arbeitsmarkt bringt erstaunlicherweise ähnliche Ergebnisse.

Warum ist das so? Meine Neugier ist geweckt. Daher habe ich mich auf die Suche nach Studien zur IKT-Nutzung im europäischen Bildungswesen gemacht. Ich habe mich gefragt, welche Ursachen für diese verblüffenden Ergebnisse verantwortlich sind.

Alle entsprechenden Studien kommen zu einer gemeinsamen und optimistischen Schlussfolgerung: Die Informations- und Kommunikationstechnologie hat das Potenzial, das Lernen und die Lernerfahrung der Schüler zu revolutionieren. Ich habe viel über tolle Ideen gelesen. Zum Beispiel „kreative Klassenräume”, „hybride Lernmodelle” oder „virtuelle Lernumgebungen”, in denen Schüler und Lehrer online verbunden sind und rund um die Uhr auf die Lernmaterialien zugegriffen werden kann. Das klingt tatsächlich sehr gut.

Auch das „echte Leben” wurde in den Studien berücksichtigt. Den Autoren war klar, dass die IKT auch außerhalb des Klassenzimmers stark an Bedeutung gewinnt. Sie sehen die IKT nicht nur als wichtiges Lernwerkzeug, sondern auch als Vorbereitung auf das spätere Arbeitsleben. Dies zeigt beispielsweise ein Zitat aus dem „Horizon Report Europe: 2014 Schools Edition”, der gemeinsam von der Europäischen Kommission und von New Media Consortium veröffentlicht wurde: „Die Europäische Kommission geht davon aus, dass im Jahr 2020 für 90 Prozent aller beruflichen Tätigkeiten IT-Kenntnisse erforderlich sein werden.”

Eine tiefergehende Recherche zeigt jedoch, dass viele der Forscher Bedenken haben, ob das volle Potenzial der IKT überhaupt in den heutigen Schulen realisiert wird. Es stellt sich heraus, dass bei vielen Lehrkräften die entsprechenden Kenntnisse zum IKT-Bereich fehlen. Viele Schüler werden außerdem in Klassenräumen ohne passende IKT-Unterstützung unterrichtet. Andere besuchen Schulen, die einfach schlecht ausgerüstet sind.

Der 2014 Schools Edition Report stellt zum Beispiel fest: „Die Europäische Kommission ermittelte kürzlich, dass 63 Prozent der neunjährigen und 50 Prozent der sechzehnjährigen Schüler keine passenden Geräte zur Verfügung stehen. Zwanzig Prozent der Schüler in weiterführenden Schulen nutzen in den Klassenräumen selten oder niemals Computer.”

Es gibt durchaus positive Beispiele. Über ein Projekt in der Türkei wurden mehr als eine Million Tablet-Computer in öffentlichen Schulen verteilt. 90 Prozent der Schüler in Luxemburg und Belgien besuchen Schulen, die über virtuelle Lernumgebungen verfügen. Diesen Erfolgen stehen jedoch auch zahlreiche negative Beispiele gegenüber.

18 bis 28 Prozent der europäischen Schüler (abhängig vom Jahrgang) haben beispielsweise zuhause und in der Schule nur wenig Zugang zur Informations- und Kommunikationstechnik. Die Schulen sind nicht besonders erfolgreich darin, die „digitale Benachteiligung” zu beseitigen. Über 50 Prozent der Schüler haben noch nie ein digitales Buch oder Multimedia-Tools genutzt.

Es bestehen außerdem erhebliche Unterschiede zwischen den Schulen in verschiedenen Ländern. Laut einer Analyse aus dem Jahr 2013 (Survey of Schools: ICT in Education) besuchen 55 Prozent der Schüler zwischen 16 und 17 gut ausgestattete Schulen mit Desktops, Notebooks, interaktiven Whiteboards, Projektoren und Breitbandanbindung an das Internet. Der Rest der Schüler besucht schlechter ausgestattete Schulen mit langsamen Internetanbindungen oder gar ohne jegliche Verbindung zum Internet.

Diese Erkenntnisse bieten eine mögliche Erklärung dafür, warum sich auf unsere Eingangsfrage rund 30 Prozent der Schüler gemeldet haben. Viele von ihnen haben schlicht und ergreifend das volle Potential der IKT in Schulen noch gar nicht kennengelernt. Daher ist es kein Wunder, dass ein Teil von ihnen der Meinung ist, dass der Einsatz der IKT zum Lernen keine besseren Chancen bietet.

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